Herzensbildung – Geschichte einer Veränderung

Was, wenn all die Geschichten, die wissenschaftlichen, die religiösen und sonstigen Geschichten, die den Menschen in unserer Gesellschaft erzählt werden, sich als erfunden, als unwahr, als schlicht überkommen herausstellen? Vielem von dem, was wir heute glauben, fehlt ein wissenschaftlicher Beleg. Irgendwann wird beispielsweise  von allen anerkannt, dass die Natur nicht auf Wettbewerb, auf „der Stärke bleibt am Leben“ ausgerichtet ist, sondern auf Kooperation und wechselseitige Unterstützung? Erste wissenschaftliche Erkenntnisse dazu erfolgten in den letzten 20 Jahren. Publiziert ist freilich noch wenig.

Als Menschen haben wir Probleme auf der Erde geschaffen, die wir auch wieder lösen können. Ein Schlüssel für neue Erkenntnisse liegt sicherlich in der Wissenschaft, die auf etwas „neutral“ schauen kann. Ein weiterer Schlüssel ist die Spiritualität in jedem Menschen, denn es gibt eine lange Geschichte des Göttlichen, die weit über die festgezurrten Ideen heutiger religiöser Organisationen hinausgeht.  Es ist davon auszugehen, dass weder die Wissenschaft noch die spirituelle Sicht für sich allein stehend, uns zu den Erkenntnissen führen, die wir heute brauchen. Es braucht beides, in ihrer Verbundenheit.

Franz und sein Glaube
Franz war ein aufrichtiger Christ, der offen für andere Religionen im Herzen davon überzeugt war, er sei in der wahren Religion. Er fühlte sich darin sicher und letztendlich war die Vorstellung, dass er irgendwann vor Gott steht und ihm dort vergeben wird, seine tragende Lebensidee. Er bemühte sich freilich ein guter Mensch zu sein, denn er wollte ein guter Christ sein. So kam es, dass eines Tages just neben ihm auf der Kirchenbank eine Frau zu ihm sagte: Du weißt schon, dass Gott hier überall ist – auch in uns. Es gibt den Alten nicht, der auf uns wartet. Misslaunig schaute er die Frau an, die sich erlaubt hatte, seine heilige Ruhe zu stören. Er stand auf. Das musste er sich wirklich nicht gefallen lassen. In der Kirche solche Aussagen – wie wagt jemand sowas. Franz versuchte all die kommenden Tage seinen sämtlich vertrauten Routinen nachzugehen, aber immer wieder hörte er die Stimme der Frau. Immer wieder tauchte diese Stimme in seinen Gedanken auf. Er ging in eine andere Kirche, was zwar einen größeren Weg für ihn bedeutete, doch er wollte wieder in seine übliche Ruhe kommen. Überraschend musste er auch dort feststellen … diese Frau hatte seine Ruhe nachhaltig gestört. Was er dann tat, war wirklich neu für ihn. Er ging immer öfter in seine gewohnte Kirche. Er wollte die Frau zur Rede stellen. Nach einem langen Jahr des Suchens und Wartens, in dem er diese Frau nie sah, erkannte er, dass er es jetzt ist, der sich mit diesem Satz beschäftigen möchte: Gott ist hier überall und auch in mir, ich bin göttlich. Und je öfter er diesen Satz in sich wiederholte, desto mehr spürte er sein Herz schwingen. Für Franz begann eine innere Reise, in entlegene Orte seines Seins. Er setzte seine analystischen Fähigkeiten nun nicht mehr ausschließlich im Beruf ein, sondern begann bewusst zu hinterfragen. Und je tiefer er eintauchte, desto mehr fühlte er sich von seinem Herzen geführt. Sein Leben wurde zu einem Abenteuer – jeden Tag lebendig und frisch.

 

Es gibt Menschen, die glauben ausschließlich an die Wissenschaft. Manche glauben nur an das, was sie selbst jeden Tag sehen, wieder andere ziehen sich in spirituelle/religiöse Erlebniswelten zurück, die vielleicht strengen Regeln folgen. Zu fragen ist, was all diese Gläubigen in ihrem Herzen fühlen und denken.

 

 

Beitragsbild: Meike Schnelting