Dankbarkeit im Dank

Ich begrüße Euch, liebe Leser und Leserinnen. Ich heiße Dankbarkeit. Ein relativ leicht zu merkender Name. DANKBARKEIT. Was ich mache, fragt ihr bestimmt. Nun ja, ich bin zu allererst dankbar. Das ist meine Qualität, mein Sein, mein Zweck. Täglich ziehe ich durch die Felder und Räume, gehe durch offene Türen und bin dankbar, wenn ich aufgenommen werde. Ich fühle mich willkommen, wenn die Menschen sich dankbar fühlen. Dann darf ich eine Weile in ihrem Innersten weilen und dann verlasse ich das Haus wieder. Denn selbst ein Mensch kann mich ununterbrochen fühlen. Da würde ich ja selbst unwohl werden, wenn mich ein Mensch an sich binden würde, festhalten würde. Ich bin für alle Lebewesen nur ein Gefühl, das gefühlt werden kann. Ich bin nichts, was fest verankert ist und verankert sein will. Ich gehe in alle Häuser, deren Türen offen sind und ich gehe an den Menschen vorbei, deren Türen und Fenster geschlossen sind. Sind die Fenster offen und die Türen zu, dann zeige ich mich gerne im Fenster und winke. Die Menschen können entscheiden, ob ich eintreten soll oder nicht. Sie öffnen die Türe oder eben nicht. Und glaubt mir, liebe Freunde, ich bin nicht traurig oder beleidigt, wenn die Türe zubleibt. Ich bin als Dankbarkeit nur das – dankbar. Wie könnte ich jemals wieder anders fühlen, wo ich doch geworden bin, was ich immer sein wollte. In mir ist ein großer Frieden, eine Stille und all das füllt mich aus. Ich würde nicht mehr gerne mehr sein als ich bin. Als Dankbarkeit selbst bin ich sehr dankbar, dass ich sein darf, was ich bin. Das ist ein unglaublicher Segen,  denn ich habe nichts mehr zu tun und bin ständig bewegt in all den Räumen und Feldern. Wenn ich jemand etwas wünschen darf, dann dass er oder sie sein darf, was er/sie sein möchte. Und dabei geht es nicht  darum, was die Persönlichkeit eines Menschen möchte, vielmehr geht es um sein Inneres, um das Selbst eines Menschen. Ich kenne diese Herausforderung schon auch. Ständig wollte ich, dass die Menschen mich fühlen. Ich wurde ärgerlich, dass sie mich nicht fühlen wollten. Ich war richtig sauer, dass ich als so wertvolles Gefühl nicht ständig gefühlt werden wollte. Nun, das war eine sehr anstrengende Zeit. Ständig war ich in Konkurrenz zu anderen Gefühlen. Ständig gab es Streit mit den Gefühlen, die meinten, sie seien auch so schön und wichtig wie ich. Ich meinte sehr lange, ich bin etwas ganz besonderes und noch wertvoller als die anderen Gefühle. Ach, Ihr Lieben, es war eine schwere Zeit und wie dankbar bin ich heute, dass ich all das nicht mehr erfahren muss. Ich habe so viel gekämpft für mich, für all das Gute, das ich bringen wollte. Irgendwann stellte ich fest, dass ich immer schwächer wurde, ich immer weniger von den Lebewesen wahrgenommen wurde. Es war schlimm für mich.

Jetzt fragt ihr euch sicher, wie es kommt, dass ich heute so dankbar bin und mein Sein sich einfach nur tagtäglich ausdrückt und viele erfreut. Ich bin einfach nur da, ich bin in Frieden in meinem Inneren.

Nun, da muss ich euch vielleicht enttäuschen, denn ich weiß es selbst nicht. Von einem Tag auf den Anderen war dieser Kampf vorbei. Ich habe mich besonnen, wer ich bin, was ich bin und wozu ich hier bin. Ich wurde still, zog mich aus den Kämpfen zurück und ES konnte einfach in mir sein. Jetzt ist so eine Freude, so eine Leichtigkeit in mir. Und wisst ihr was – seit diesem Tag SEHE ich, insbesondere die Menschen. Und ich sehe diese unglaubliche Intelligenz im Einzelnen, diese Liebe und Freude innen drinnen. Denn oft sind die Fenster offen, auch wenn die Türen zu sind. Da gibt es aufgeräumte Häuser, ganz ordentlich sortiert, dann gibt es ein bisschen unordentliche Häuser, vieles liegt rum. Ich liebe jedes Haus, ob ordentlich oder nicht. In jedem steckt etwas ganz besonderes.  Wisst ihr, ich bin sowieso davon überzeugt und weiß es, wie einfach ein Mensch in sich den Frieden finden kann.

Vielleicht kannst du dir, lieber Leser, liebe Leserin, einfach mal vorstellen, du stehst an meiner statt an deinem Fenster oder an deiner Türe. Und du schaust zu dir rein. Du wirst überrascht sein, wie schön und gemütlich es darin ist. Schau doch öfters mal in dein Haus und vielleicht bin auch ich grad zu Besuch. Dann winke ich dir nach draußen.

In Liebe.

Deine Dankbarkeit

 

 

Bildrechte Fotolia: 30420879 – Altbaufenster in einem alten Wohnhaus
© Gina Sanders